,

Legal Design Retreat in Frankfurt

Anfang November 2018 fand das erste Legal Design Retreat im Legal Innovation Hub „Reinvent Law“ in Frankfurt am Main statt. Legal Design, das klingt nach Silicon Valley, nach innovativen Ideen, aber nicht nach Jura. Doch es sollte schon bald Licht ins Dunkle kommen. Von vielen sehr erfahrenen Facilitatoren aus der ganzen Welt haben wir erfahren, welche Auswirkungen die Anwendung von Design Thinking auf juristische Probleme haben kann und wir haben sogar unmittelbar Ergebnisse mit nach Hause genommen.

Dabei hatten viele der rund 70 Teilnehmer vorher noch kaum etwas mit Design Thinking zu tun gehabt. Die meisten kamen gerade aus ihren Büros der Großkanzleien, Banken und wichtigen Unternehmen dieser Welt.

Als studentische Initiative waren wir demnach eher Exoten als am Donnerstagmorgen die Teilnehmer am Hafen in der Oststadt von Frankfurt zusammenkamen. Auch der Veranstaltungsort, das ‚Reinvent‘, ist eine Erwähnung wert. Auf zwei Stockwerken hat man einen einladenden Co-Working-Space mit eigener Bar, Sofas, Arbeitsplätzen und Konferenzräumen erschaffen, der direkt Lust auf Arbeiten macht.

Der Tag startete mit frischen Croissants, Kaffee und dem ersten Input Talk zu den Methoden des Design Thinkings. Im Voraus hatte jeder Teilnehmer seine Arbeitsschwerpunkte und Interessen mitgeteilt, sodass alle bereits einer der sieben Arbeitsgruppen zugeteilt worden waren. In diesen Gruppen widmeten sich die Teilnehmer einem Thema ihrer Wahl, das zu Beginn der Arbeitsphase aber noch genauer definiert werden musste. Gemeinsam mit den jeweils zwei Facilitatoren, die sich mit den Methoden von Legal Design bestens auskannten, versuchten wir, Lösungen zu juristischen Problemstellungen unseres eigenen Alltages zu finden.

Aber was ist eigentlich Legal Design?

Legal Design verknüpft das Lösen von juristischen Problemen und Optimieren von Prozessen mit Design Thinking. Es geht darum, bewusst die eigenen Probleme korrekt zu identifizieren, dann einen Schritt zurückzutreten, seine bisherigen Ansichten und Meinungen außen vor zu lassen und sich nicht auf die erstbeste Lösung, die einem in den Sinn kommt, zu stürzen. Vielmehr geht es darum, die Lösung zu ‚designen‘ und sich im Anschluss die ideale Lösung herauszusuchen und umzusetzen.

Design bedeutet dabei demnach nicht, dass etwas gut aussieht, sondern, dass es den Menschen, seine Arbeit und seine Probleme in den Vordergrund stellt.

In unserer Gruppe widmeten wir uns der Fragestellung, wie wir die juristische Ausbildung ins 21. Jahrhundert bringen können. Es stellte sich dabei schnell heraus, dass wir eher eine Revolution als eine Renovierung planten, die umso schwieriger umzusetzen wurde je mehr wir uns Gedanken machten. Dennoch gelang es uns am Ende einen realistischen Lösungsansatz zu entwickeln.

Nach unseren Arbeitsphasen gab es regelmäßig Input zu verschiedenen Methoden des Design Thinkings, die wir schnell in unsere Ideen und Lösungswege einbauten, sodass jede Gruppe am letzten Tag bereits einen Prototyp ihres jeweiligen Lösungskonzepts präsentieren konnte. Dieser Prototyp wurde weiteren Stresstests unterzogen, Probleme wurden gelöst, bis ein nahezu fertiges Konzept für ein Endprodukt vor uns lag.

Von Lösungen für Compliance-Problemen in Unternehmen bis zu Tools für Großkanzleien war vieles dabei. Dadurch, dass die Gruppen sehr heterogen waren, waren die Ideen und Gespräche sehr bunt und spannend, was zu interessanten und teilweise unterhaltsamen Lösungen führte.

Unsere Idee zur Verbesserung der juristischen Ausbildung war eine Online-Plattform, die das klassische Jura-Studium um wichtige Key-Skills erweitert, Persönlichkeitsentwicklung fördert und digitale Lerninhalte zur Verfügung stellt.

Darüber hinaus sollte jeder Teilnehmer der Plattform einen Coach bekommen und einen „Minor“ belegen können, sodass eine Spezialisierung z.B. im wirtschaftlichen Bereich möglich wird. Das Ziel, das wir visualisiert haben, war, echte Persönlichkeiten mit juristischer Expertise auszubilden – nicht „Subsumtionsautomaten“.

Am Abend ging es dann noch auf ein paar Drinks in eine Bar in der Innenstadt, wo auch das Networking nicht zu kurz kam. Neben vielen neuen Kontakten nehmen wir die Idee des Design Thinkings mit nach Münster und werden versuchen, die Methoden des Design Thinkings  auf die vor uns liegenden Herausforderungen  anzuwenden. Denn auch Jura und Design Thinking kann man gewinnbringend zusammenführen.

Mehr Infos zum Retreat gibt es unter www.retreat.legal

 

Autor: Henrik Volkmann

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.