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Was wir aus dem #WirVsVirus Hackathon gelernt haben

Ein Interview mit Fréderic von Nerée (recode.law) und Valentin Tribula (Bucerius Law School) von liquidebleiben.com.

Über 40.000 Bundesbürger werden über ein Wochenende in einen Slack-Workspace geschmissen und raus kommen Lösungen, die uns über die Corona-Krise helfen sollen. Und das komplett online. Wie kann das funktionieren? recode.law war dabei und berichtet.

Vorweg: Was habt ihr entwickelt? Gebt uns einen kurzen Elevator-Pitch!

Durch die Corona-Krise geraten vor allem kleine und mittlere Unternehmen in finanzielle Not. Unterstützende Maßnahmen wie Soforthilfe, Kredite oder Steuerstundungen gibt es nicht nur unübersichtlich viele, sie unterscheiden sich zudem in ihren Voraussetzungen und den Antragsverfahren: Kommt eine Maßnahme für mich überhaupt in Frage? An wen muss ich den Antrag richten? Welche Unterlagen brauche ich dafür? Diese Fragen stellen für viele Unternehmer eine bürokratische Hürde dar, sodass sie die dringend benötigte Unterstützung nicht oder nur umständlich abrufen können.

liquidebleiben.com löst dieses Problem: Interessenten beantworten über eine benutzerfreundliche Oberfläche einfache Fragen und bekommen im Anschluss alle in Frage kommenden Maßnahmen samt den nötigen Infos dargestellt. So bringen wir staatliche Soforthilfen auch wirklich bis zum Tanzstudio.

Über die Interviewten

Fréderic von Nerée

Fréderic von Nerée

Fréderic absolvierte sein erstes juristisches Staatsexamen in Münster. Bald beginnt er seine Promotion in Berlin im Bereich Legal Tech. Bei recode.law organisiert er als Head of Events in führender Position einige unserer Events rund um die Innovation im Rechtssektor. In den Hackathon brachte er seine juristische Expertise ein.

Valentin Tribula

Valentin Tribula

Valentin ist Jurastudent im dritten Jahr an der Bucerius Law School in Hamburg. Dort ist er Vorsitzender der Studierendenvertretung. Außerdem war er an der Ausrichtung der Champions Trophy planend beteiligt - einem von Studenten der Bucerius ausgerichteten Sportwettbewerb. Sein Metier ist die Kommunikation; so brachte er sich im Hackathon im Marketing ein.

Ihr wurdet mit 40.000 anderen in einen Slack-Workspace geschmissen. Das muss zu Beginn ein großes Chaos gewesen sein. Wie habt ihr euch orientiert und letztlich euer Projekt gefunden?

Fréderic: Zunächst gar nicht, denn Slack war völlig überlastet. Valentin hat seinen Zugang zum Beispiel erst Samstagmittag erhalten; mehr als einen halben Tag nachdem der Hackathon begann. Im Chaos fanden sich jedenfalls mit der Zeit kleine Teams. Auch innerhalb der Teams herrschte allerdings zunächst großes Chaos.

Die Teilnehmer haben tatsächlich Führung gesucht. Hat man das geboten, einen strukturierten Plan gehabt, haben die Leute sofort mitgemacht. Das konnte man entweder zeigen, indem man in den großen, allgemeinen Channeln, in denen alle waren, konkrete Anfragen für seine Vorhaben gestellt hat. Oder man zeigt – so fand Valentin zu uns – in seinem Team-Channel eine strukturierte Arbeit. Das zog Personen an, die noch auf der Suche nach einem passenden Projekt durch die Team-Channel zappten.

Zum Hackathon: Es handelt sich um eine Wortschöpfung aus dem englischen “(to) hack” und “Marathon”. Ziel ist es, für die Dauer des Hackathons gemeinsam Lösungen für bestimmte Probleme (Challenges) zu entwickeln. Der #WirVsVirus-Hackathon wurde u.a. von der Bundesregierung vom 20.-22.03.2020 veranstaltet mit dem Ziel, Probleme der Corona-Pandemie zu lösen. Die Teilnahme stand dabei jedermann offen.

Zu Slack & Channeln: Slack ist eine Cloud-Kommunikationsplattform, in der man Direktnachrichten von Person zu Person oder in themenbezogenen Chaträumen, sog. “Channel”, austauschen kann. Dabei kann jedes Mitglied eines Slack-Workspaces alle öffentlichen Channel durchsuchen, das dort Geschriebene einsehen und selbst als Mitglied beitreten.

Valentin: Da ich erst Samstagmittag meinen Slack-Zugang erhalten habe, bin ich recht spät dazugestoßen und musste aus bestehenden Teams wählen. Ich habe mich aber im vorhinein informiert, welche Challenges es beim Hackathon so zu lösen gab. Ich wusste also  grob, was mich ansprach und bin dann einfach anonym einer laufenden Videokonferenz des Teams beigetreten, das ich zufällig bei Slack gefunden habe. Dort hatte eine Person ganz klar den Hut auf und es wirkte für mich, als ob hier organisiert gute Arbeit geleistet wird. Damit habe ich mein Team gefunden.

Wie wurden die Aufgaben aufgeteilt und zu einem großen Ganzen zusammengefügt?

Valentin: Die Person, die in der Videokonferenz “den Hut auf hatte”, war der Pate unserer Challenge. Das heißt, er hat die Challenge beim Hackathon eingereicht. Obwohl es keine Regel gab, die vorschrieb, dass der Einreichende auch der “Chef” ist, hatte er damit quasi eine originäre Zuständigkeit für das Projektmanagement. Dieses führte er auch faktisch aus.

Fréderic: Die Teammitglieder fanden sich selbst in die Spezialteams für Data, Tech, Law und Marketing ein, indem sie den entsprechenden Subchannels beitraten. So sortierten sich die verschiedenen Kompetenzen jeweils ganz alleine zu kleinen Unterteams. Fehlende Kompetenzen deckten wir immer, wenn unsere Kapazitäten knapp wurden, durch Aufruf in einem Channel für “Stellenausschreibungen” ab. Es ist erstaunlich, wie schnell sich immer wieder genau die richtigen Leute für die Aufgaben fanden.

Gab es kontroverse Entscheidungen? Wie wurde dann entschieden? Demokratisch? Eine verbindliche Hierarchie, wo die Entscheidungskompetenz klar zugewiesen ist, gab es ja nicht.

Fréderic: Unterschiedlich. Es gab Entscheidungen, bei denen die Teammitglieder demokratisch durch Daumen-Emojis für ein Ergebnis abstimmten. Bei anderen setzten sich nach kurzer Diskussion aber auch dominante Personen durch. So kamen wir dann auch zu unserer Brand-Farbe: “Das dominante Grün der Liquidität!”

Valentin: Rückblickend denke ich, dass ich mich teilweise so verhielt, als gäbe es eine verbindliche Hierarchie. So richtete ich Vorschläge direkt an den Paten der Challenge, um seine Entscheidung dazu einzuholen, statt sie öffentlich zur Diskussion zu stellen. Man nimmt diese Entscheidungskompetenz dann einfach so an. Auch wenn man zunächst eine initiale Abwehrreaktion hat, warum denn einer der Chef sein solle, so ist es ja doch das, was mich dem Team überhaupt beitreten ließ.

Wie bildete sich eigentlich heraus, wer zum Team gehört und wer nicht, wo doch alle Channel öffentlich waren und jederzeit andere beitreten konnten?

Fréderic: Es wurde eine Liste in den Channel gepostet, in der man sich bis um 12 Uhr am Samstag eintragen konnte, wollte man zu dem Team gehören. Damit war es relativ klar. Interessant daran ist, dass sich auch nach der Deadline prinzipiell noch jeder hätte eintragen und Teammitglied werden können. Das Symbol der Liste bildete dabei aber eine psychologische Eintrittsbarriere, die das gesamte Team letztlich nach außen abschloss.

Valentin: Als ich – nach 12 Uhr – dazustoßen wollte und beim Paten der Challenge angefragt habe, sagte er mir auch, dass sie eigentlich schon “voll seien”, aber ich noch beim Marketing mitmachen könne. Wäre ich ein paar Stunden später gekommen, hätte ich vielleicht gar nicht mehr mitmachen dürfen. Bemerkenswert ist auch, wie diese Liste nicht nur das Team nach außen abgrenzt, sondern gleichzeitig innen auch mehr Leistung einfordern kann: “Du bist Teammitglied, dann arbeite mit.”

Was habt ihr beim Hackathon gelernt, was ihr nun auf eure weitere Arbeit anwenden werdet?

Fréderic: Erstmal, dass man mit der Öffentlichkeitsarbeit nicht früh genug anfangen kann. Dadurch haben wir beispielsweise noch um 23:00 Uhr am Freitagabend einen Senior Legal Counsel der KfW im Schlafanzug in einen Call bekommen, der uns bestimmte Prozesse erläuterte. Weiterhin ist gar nicht zu unterschätzen, wie kooperativ und offen die Leute da draußen sind, obwohl man ja eigentlich davon ausgeht, sie seien eher kompetitiv. Zuletzt: Remote Arbeiten funktioniert; sogar mit völlig Fremden. Die Vorstellungsrunde haben wir dann übrigens erst nach der Abgabe ganz zum Schluss gemacht. Man merkte, wie das Team in nur 48 Stunden eng zusammengewachsen ist.

Valentin: Das war mein erster Hackathon,ich habe das Format also noch nicht selbst erlebt. Gefallen hat mir, dass man unter hohem Zeitdruck arbeiten muss und dadurch gezwungen wird, einfach irgendetwas abzuliefern. Da hat man keine Zeit ewig zu sinnieren oder einen Feinschliff zu machen, bevor das große Ganze steht. Zwei Teams mit ähnlichen Projekten haben beispielsweise sehr auf Design gesetzt, hatten am Ende aber kein funktionsfähiges Produkt. Bei uns ist es umgekehrt. Aber es wird sich am Ende eher einer hinsetzen und das Produkt aufhübschen, als eine große Datenbank anzulegen und erst die Funktionalität zu programmieren.

Was können Juristen aus einem solchen Hackathon lernen?

Fréderic: Der Gedanke hinter dem MVP (Minimum Viable Product) ist ja kein neuer. Beim Hackathon wird er aber par excellence eingefordert: Der erste Entwurf muss nicht perfekt sein. Das gilt eben auch für Juristen. Ein erster, nicht perfekter Entwurf ist oft wertvoll, um festzustellen, ob man mit dem Produkt in die richtige Richtung steuert. Die Feinarbeit kann dann auch noch hinterher erfolgen. Zu dem Prozess gehört auch, seine Kollegen möglichst früh einzuschalten, die nochmal einen anderen Blick auf die Sache haben, und frühzeitig korrigieren können: Kollaboratives Arbeiten ist oft effizienter!

Valentin: Auch das Mindset hat seinen Charme. Ein Jurist denkt sehr strukturiert, ein Hackathon ist genau das Gegenteil: Es ist das reinste Chaos. Und trotzdem entsteht am Ende ein gutes Ergebnis. Auch sollte man als Jurist öfter seine Bubble verlassen. Bei einem Hackathon arbeitet man mit klugen Köpfen aus völlig verschiedenen Fachrichtungen und Altersklassen zusammen. Ich war mit 20 das jüngste Teammitglied, das älteste war 52. Wir waren Jurastudenten, andere waren Ex-Investmentbanker, IT-Projektleiter internationaler Pharmakonzerne oder gelehrte Physiker. Das fördert die interdisziplinären Kompetenzen ungemein.

Wie geht es jetzt weiter?

In den letzten 24 Stunden haben wir viel positive Resonanz erhalten. Die ersten Banken haben angefangen, unsere Plattform ihren Kunden zu empfehlen und ein paar Unternehmen zeigten sich interessiert, unser Tool zu implementieren. Fest steht, dass das KI-Steuersoftware-Startup taxy.io unsere Plattform fortführen und im Austausch mit unserem Team weiterentwickeln wird. Die Plattform soll aber auf jeden Fall kostenlos und der Code nach Open-Source-Lizenz frei verfügbar bleiben bleiben.

Wir als Team haben uns auf jeden Fall committed, dran zu bleiben!

Das Interview führte und verfasste Paul F. Welter, Examenskandidat in Köln und Vorstandsmitglied bei recode.law, zuständig für Compliance & Growth.

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Legal Innovation Talk #3 • Legal Tech: Schrittmacher moderner Rechtsberatung oder Vorbote der Kommerzialisierung des Rechts?

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“The New Lawyer” – Legal Innovation Talk 2

Am Montag, den 17. Juni fand im Wolfgang Borchert Theater in Münster unser zweiter Legal Innovation Talk im Sommer 2019 statt. Er stand unter dem Thema „Der Anwalt der Zukunft“, welches beim Live-Voting im Rahmen des vorherigen Legal Innovation Talks eine große Mehrheit fand. Bei strahlendem Sonnenschein fanden sich mehr als 50 interessierte Gäste in dem Theater ein.

Henrik Volkmann eröffnete als Vorstandsvorsitzender von recode.law den Abend und übergab das Wort dann an Matthias Jannausch, der Kartellrechtsanwalt und Innovation Ambassador der Kanzlei Baker McKenzie in Düsseldorf ist. Dieser gab uns zunächst einen Ausblick auf die vielen technischen Entwicklungen, die in der anwaltlichen Tätigkeit auf uns zukommen, und stellte uns im Anschluss verschiedene Tools vor, die bei BakerMcKenzie schon jetzt im Einsatz sind. Den Fokus legte er hierbei auf kartellrechtliche Problemstellungen. Er zeigte uns eine Software, die bei unternehmensinternen Prüfungen auf kartellrechtliche Verstöße die Arbeitszeit der Anwälte erheblich reduziert. Dafür trifft eine schlagwortbasierte künstliche Intelligenz eine deutlich verringerte Vorauswahl der relevanten Dokumente, die der Anwalt letztlich prüft. Weiter stellte er uns die von seiner Kanzlei entwickelte „Baker McKenzie Dawn Raid App“ fürs Smartphone vor, die im Falle einer behördlichen Durchsuchung konkrete auf die jeweilige Jurisdiktion abgestimmte Handlungsanweisungen an den Mandanten gibt, wie er sich zu verhalten hat.

Einen weiteren Abschnitt seines Vortrags widmete Matthias Jannausch dem Thema der Visualisierung und der Aufbereitung des erarbeiteten Ergebnisses für Mandanten. Auch hierzu präsentierte er verschiedene Programme, die juristische Feststellungen auch für den Laien verständlich machen sollen.

Mit Abschluss des Vortrags ging der Abend fließend in das erste Münsteraner „Legal Barbecue“ über. Die Besucher tauschten sich auf der Terrasse des Theaters über die Vortragsthemen sowie Legal Tech im Allgemeinen aus, und genossen dabei noch beim einen oder anderen Drink den großartigen Blick auf den Sonnenuntergang im Münsteraner Hafen.

 

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Jetzt in Münster: Das Legal Innovation Meetup

Gestern ist ein weiterer Stein ins Rollen gekommen! Denn nun gibt es in Münster ein neues Meetup, das sich mit den Zukunftsthemen in der Rechtsbranche beschäftigt. Weiterlesen

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Machine Learning & Recht – Legal Innovation Talk #1

Nachdem im Januar bereits unser Kick Off-Event großen Anklang gefunden hatte, ging am 08.05.2019 der Legal Innovation Talk in die erste Runde. Thema des Abends war Künstliche Intelligenz im Recht. Rund 80 Gäste hatten sich aus diesem Anlass im großen Gerichtssaal des Heereman‘schen Hofs in Münster versammelt, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Der historisch bedeutsame Renaissancebau, der als alter Adelshof auf das 16. Jahrhundert zurückgeht, bot eine beeindruckende Kulisse für einen interdisziplinären Blick auf die Zukunft des Rechts.

Erster Speaker war Marcus Cramer, Head of Analytics beim Westphalia Datalab und selbst Mitglied bei recode.law. Er gab uns eine Einführung in das Thema Artificial Intelligence und Machine Learning. Zunächst ging es um die Frage, wie man KI überhaupt definieren könnte und welche philosophischen Fragestellungen sich dahinter verbergen. Marcus erläuterte dabei nicht nur die traditionelle Unterscheidung zwischen schwacher und starker KI, sondern stellte auch die wesentlichen Meilensteine in der Entwicklung dieser Technologie dar. Dabei wies er auf das Phänomen hin, dass mit zunehmendem Fortschritt immer mehr Bereiche der schwachen KI zugeordnet würden, die vor ihrer Realisierung noch als starke KI gehandelt worden seien.

Anschließend erläuterte Marcus die Funktionsweise eines Entscheidungsbaums anhand eines juristischen Beispiels. Ausgangspunkt hierfür war ein Datensatz über die Hinrichtung von Häftlingen in den USA. Dieser enthielt verschiedenste Informationen über die Personen selbst und darüber, ob sie den ihnen zustehenden Rechtsweg erschöpft hatten oder nicht. Anhand dieser Daten galt es, einen Decision Tree zu entwickeln, der möglichst akkurate Vorhersagen über die zu erwartende Rechtswegerschöpfung zukünftiger Häftlinge treffen sollte. Anschließend schilderte Marcus weitere Anwendungsbeispiele von KI in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen. Dies führte zu der Frage, welche Berufe zukünftig durch KI ersetzt werden könnten. Bei juristischen Tätigkeiten ergab sich diesbezüglich ein geteiltes Bild.

Insgesamt hat es Marcus geschafft, die komplexe Thematik der KI auf ihre Grundzüge zu konzentrieren und auch Zuhörern ohne besondere technische Vorkenntnisse näher zu bringen. So schuf er eine ideale Diskussionsgrundlage für die anstehende Pause. Bei Bagels von Teilchen & Beschleuniger und Getränken von der Finne Brauerei diskutierte das bunt gemischte Publikum angeregt über den ersten Vortrag des Abends.

Nach der Pause ging es weiter mit der Präsentation von Tianyu Yuan. Er ist Founder und Executive Director von LEX superior und berichtete uns aus erster Hand über die praktischen Anwendungsmöglichkeiten von Machine Learning im Rechtswesen. Zunächst nutzte Tianyu aber die Gelegenheit, um die Zuhörer über den Einsatz von Technologie im Jurastudium zu befragen. Anschließend wandte er sich dem Machine Learning aus juristischer Perspektive zu. Tianyu argumentierte, dass selbst bei einer Automatisierung der juristischen Entscheidungsfindung die Erfassung des Sachverhalts nach wie vor eine rechtliche Wertung verlange. Ohne Subsumtion existiere schlicht kein Sachverhalt. Zudem problematisierte er, dass die Rechtsfindung eben nicht immer logisch sei.

Um die Komplexität juristischer Subsumtion zu verdeutlichen, zeigte Tianyu die Schwierigkeiten auf, die bereits bei vermeintlich einfachen Rechtsbegriffen wie „Körperverletzung“ oder „Sache“ auftreten. Eine Automatisierung der Subsumtion durch Machine Learning in Form von supervised, unsupervised oder reinforcement learning sei zwar bis zu einem gewissen Grad möglich, aber mit einem extrem hohen Aufwand verbunden. Zudem müsste ein solches System laufend aktualisiert werden. Ein weiteres Problem sah Tianyu in der potenziell diskriminierenden Wirkung von KI, dem sog. algorithm bias. Hier müsse man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob man wirklich sämtliche Entscheidungen den Algorithmen überlassen möchte.

Nach dieser rechtlichen Perspektive folgte eine gemeinsame Diskussion von Marcus und Tianyu mit dem Publikum. Diese entwickelte sich in manchen Teilen sogar in ein richtiges Streitgespräch. Es ging insbesondere um Möglichkeiten, wie man zukünftig auch die Sachverhaltserfassung (z.B. nach einem Verkehrsunfall) mittels Sensoren automatisieren könnte. Zudem wurden die existierenden Prognosen bezüglich der Entwicklung einer starken KI kritisch hinterfragt.

Damit war der offizielle Teil des Abends beendet. Es folgte ein lockerer Austausch zwischen den Gästen über die zuvor aufgeworfenen Probleme. So diskutierten die anwesenden Juristen, Informatiker und weiteren Interessierten noch bis in die späten Abendstunden über die Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz für das Rechtswesen. Dieser interdisziplinäre Austausch hat uns nachhaltig beeindruckt.

Unser besonderer Dank gilt an dieser Stelle unseren Sponsoren Noerr und Baker McKenzie, die auch an diesem Abend mit mehreren Anwälten vor Ort mitdiskutiert haben. Und schließlich bedanken wir uns bei den beiden hervorragenden Speakern Marcus und Tianyu. Wir freuen uns über die zahlreichen Themenvorschläge für zukünftige Veranstaltungen und arbeiten bereits fleißig an deren Umsetzung. Das durchweg positive Feedback bestärkt uns auf diesem Weg!

Autor: Leonhard Weitz

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Kick-Off! Jetzt geht’s los!

Einen erfolgreichen Auftakt  konnten wir am 14.01.2019 verzeichnen, der unsere Erwartungen übertraf und Lust auf mehr macht! 

 

Am Montagabend öffneten sich die Tore der JurGrad-Räumlichkeiten in unmittelbarer Nähe zu den Münsteraner Arkaden allen, die sich bereits mit dem Thema Legal Tech auseinandergesetzt hatten, aber auch jenen, die sich unter dem Begriff noch nichts Konkretes vorstellen konnten. 
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Legal Design Retreat in Frankfurt

Anfang November 2018 fand das erste Legal Design Retreat im Legal Innovation Hub „Reinvent Law“ in Frankfurt am Main statt. Legal Design, das klingt nach Silicon Valley, nach innovativen Ideen, aber nicht nach Jura. Doch es sollte schon bald Licht ins Dunkle kommen. Weiterlesen